Ich habe mich kürzlich auf Twitter mit einem Kollegen unterhalten, den ich sehr schätze. Er schrieb sinngemäß, dass es einem „soliden Journalismus“ im Weg stehe, wenn Journalisten für Reichweite zuständig seien. 
Wir haben die Diskussion dann ein wenig vertieft und es stellte ich heraus, dass er etwas anderes meinte: Nämlich, dass Journalisten nicht vorrangig SEO-optimiert und für eine Zielgruppe schreiben dürfen, weil sie der Neutralität verpflichtet sind. Das stimmt natürlich. 

Aber die Sache mit dem Journalismus und der Reichweite führt zu einem der verbreitetsten Denkfehler in Redaktionen. Und dieser Denkfehler ist der Grund, warum Journalisten bisher so kläglich an Social Media scheitern:

1. JOurnalisten müssen nicht für reichweite sorgen?

Lass´mich das Pflaster schnell abreißen: Doch. Müssen sie. Du kannst keinen journalistischen Text schreiben, ohne darüber nachzudenken, wer ihn lesen will. Auch im Print nicht. Das fängt bei der Themenauswahl bereits an: Du schreibst über aktuelle Themen, die einen Nerv treffen. Auch wenn du selbst dich für völlig andere Dinge interessierst und du privat vielleicht sogar eine völlig andere Meinung hast. Wie du zum Beispiel viralen Content auf Twitter produzierst, habe ich hier erklärt. 

Sich dieser Selbstverständlichkeit online plötzlich zu verwehren, nur weil Online-Reichweite für dich einen Beigeschmack nach Influencertum und Schleichwerbung hat, ist wenig sinnvoll. Vielmehr gilt es, die Möglichkeiten, Reichweite zu gewinnen, journalistisch zu interpretieren. 
SEO-konform schreiben ist für Journalisten ganz großer Blödsinn. SEO mitdenken ist absolut erwünscht.

reichweite kann auf mehr als eine art generiert werden!

Man muss für Online-Reichweite nicht als Klischee-Influencer seine Seele verkaufen. Im Gegenteil, die Algorithmen entwickeln sich mehr und mehr in eine Richtung, die Journalisten in die Karten spielt. Schon lange muss man für mehr Reichweite nicht mehr möglichst viele SEO-Keywords in einen Text pressen. 
Im Gegenteil, das sogenannte „keyword-spamming“ wird von Google inzwischen abgestraft. Es geht nämlich zu Lasten der Lesbarkeit und damit zu Lasten der Nutzerfreundlichkeit. 

Content is King und erzeugt Reichweite. Und das ist für Journalisten von Vorteil. Denn kaum jemand hat die Möglichkeit so nachhaltigen, gut recherchierten Content wie ein Journalist zu produzieren. Die Zielgruppenoptimierung muss dann über die Verteilung des Contents auf die verschiedenen Netzwerke geschehen. Und darüber, welcher Content überhaupt online geht.

2. Journalisten produzieren (und setzen) keine Backlinks

Überraschung: Social Media heißt Social Media, weil man sich darin sozial verhalten sollte. Und das bedeutet nicht nur Communityaufbau und -Pflege, sondern auch gegenseitige Empfehlungen und „Mundpropaganda“.  Die Mundpropaganda des Internets sind Verlinkungen, sogenannte „Backlinks“. Die sagen Google, dass deine Website gut und interessant ist. 

Wie bekommst du nun also Backlinks?

  • Zunächst einmal, indem du deinen Content auf Social Media postest, und zwar so, dass er von Suchmaschinen gefunden wird. 
  • Dann solltest du selbst Backlinks setzen – sorge dafür, dass du Seiten, Menschen, Geschäfte, quasi alles worüber du schreibest, möglichst verlinkst. Der automatische Reflex des Gegenüber ist dann, dich ebenfalls zu verlinken.
  • Veröffentliche Gastartikel. Auch ein „Marie Mustermann schreibt normalerweise hier für die Buxtehuder Nachrichten.“ ist ein Backlink! 
  • Organisiere eine Challenge oder einen Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer auf deine Seite verlinken müssen. Fotowettbewerb, anyone? Minimaler Aufwand, sehr vielfältiger Nutzen!

3. Journalisten denken nicht an Keywords

„Moment mal, gerade hast du noch gesagt, ich brauche keine Keywords!“ Falsch, du sollst sie nur nicht inflationär benutzen! Überlege dir ein knackiges Keyword zu deinem Text und baue es in die Onlineversion ein – in die Überschrift und ein paar mal möglichst am Anfang des Textes. Synonyme sind dabei übrigens auch erlaubt. 
Baue deine Keywords auch in die Bildtitel und -beschreibungen ein. Auch dort sucht Google und je besser die Bildbeschreibungen zu deinem Thema passen, desto besser dein Google-Ranking. 

 

Keywords in den Sozialen Medien nutzen

Auch auf deinen Social Media Profilen solltest du Keywords nutzen. Sorge dafür, dass deine Leser dich über die Suche (und über Suchmaschinen) finden können und dass sie sofort wissen, worum es bei dir geht.

4.websites sind nicht Userfreundlich

Viele Zeitungswebsites sind nicht für Mobilgeräte optimiert oder haben riesige Bilder und Videos, die eine Ewigkeit zum laden brauchen. Auch so etwas berücksichtigt Google beim Ranking. Damit musst du dich nicht beschäftigen, aber sprich doch einmal die IT-Abteilung darauf an.