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Was man noch sagen darf

In diesem Post spreche ich über marginalisierte Menschen.
Das geschieht teilweise aus privilegierter Perspektive, ich kann in diesen Fällen also nur darüber sprechen, was ICH als privilegierte Person tun kann. 
Im Infokasten sind Bücher und Accounts betroffener Personen verlinkt, bitte hört zuallererst immer ihnen direkt zu. 

Die Verlinkungen in diesem Post sind als Werbung zu kennzeichnen, ich verdiene aber kein Geld damit. 

Sie begegnet mir bei meiner Arbeit immer wieder diese Aussage: „Ich habe Angst, in den Sozialen Medien einen Shitstorm zu kassieren. Man weiß ja gar nicht mehr, was man noch sagen darf!“ Schnell wird dann die Meinungsfreiheit in Gefahr gesehen, man spricht von Zensur und von Maulkörben. Man schimpft auf empfindliche „Schneeflocken“ und überzogene politische Korrektheit. Meistens geht es dabei um Fragen des Sexismus, des Rassismus, der Queerfeindlichkeit. Es geht um die Forderungen marginalisierter Menschen. Und genau da sitzt der Knackpunkt:

„Man“, das sind in diesem Fall meistens privilegierte Menschen. Dass wir uns diese Tatsache bewusst machen, ist der erste Schritt. Dazu gehört viel Empathie, denn wir können nicht wissen, wie es ist, ein Leben lang Diskriminierung zu erleben, wegen etwas, das untrennbar zum eigenen Körper oder zur Identität gehört. Für uns sind gewisse Ausdrücke und Wörter nicht schlimm, weil wir sie mit nichts verbinden. Das ist bei marginalisierten Menschen oft anders. Uns steht schlicht kein Urteil zu über die Art und Weise, wie diese Menschen mit ihrem Leid umgehen.

Deshalb lass‘ es mich hier einmal ganz klar formulieren: Es ist kein politisch überkorrekter Shitstorm, wenn marginalisierte Menschen für ihre Rechte einstehen!

HIER KANNST DU ZUHÖREN:

Alice Hasters – Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten 
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Kübra Gümüşay  – Sprache und Sein 
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Kübra auf Instagram 

Reni Eddo-Lodge – Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche
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Angie Thomas – The Hate U give
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Rebecca Solnit – Wenn Männer mir die Welt erklären 
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Rebeccas Homepage 

Chimamanda Ngozi Adichie – Mehr Feminismus!
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Reyhan Şahin – Yalla, Feminismus!
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Margarete Stokowski – Untenrum frei
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Margarete Stokowski – Die letzten Tage des Patriarchats 
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Sophie Passmann – Alte weiße Männer – Ein Schlichtungsversuch
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Scarlett Curtis – The Future Is Female (Essaysammlung)
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Julius Thesing – You don’t look gay! 
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Nils Pickert – Prinzessinnenjungs
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Linus Giese – Ich bin Linus 
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Felicia Ewert – Trans. Frau. Sein.
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Was können wir als Journalist*innen also tun?

Das ist eine sehr gute Frage, denn ich lerne auch noch. Der erste und wichtigste Schritt: Hören wir doch erst mal damit auf, dauernd Dinge sagen zu wollen, und hören stattdessen zu! Dass marginalisierte Menschen oft so laut und „aggressiv“ wahrgenommen werden, liegt daran, dass ihnen sehr lange nicht zugehört wurde, sie unterdrückt und diskriminiert wurden. Während wir so langsam realisieren, dass diese Problematiken existieren, befinden sie sich bereits auf einer viel höheren Eskalationsstufe. Und das ist okay! Aber WIR sind in der Pflicht, sie nicht weiter zu unterdrücken, sondern dafür zu sorgen, dass sie nicht mehr so laut sein müssen, um gehört zu werden.

Die Debatte auf die Ebene des „Tones“ verschieben zu wollen, also Sätze zu sagen, wie „Beruhig‘ dich erst mal, wenn du so aggressiv bist, rede ich nicht mit dir!“ ist übrigens eine verbreitete Unterdrückungstechnik. Mehr zu „Tone Policing“ liest du hier von Dara Katz.

Erkenne internalisierte -ismen an

„Aber ich meine das doch nicht böse! Woher soll ich das denn wissen?“ höre ich auch oft (und hey, habe ich auch selbst schon gesagt). Und JA, das ist wahr und Teil des Problems! So viele von uns sind entsprechend aufgewachsen. Unsere Gesellschaft kämpft hart mit ihrer Sozialisierung in grundlegend patriarchalen, sexistischen, rassistischen und queerfeindlichen Systemen. Das ist oft ganz subtil, aber dauernd präsent. Und wir können meistens wirklich nichts dafür – aber wir sind in der Pflicht, das zu ändern! Dabei geht es nicht darum, marginalisierten Personen eine Sonderbehandlung zukommen zu lassen, im Gegenteil. Ziel muss sein, dass Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht, sexuelle Orientierung etc. wirklich völlig egal sind. Aber davon sind wir leider noch weit entfernt.

Respektiere die Individualität der Menschen

Eines der Totschlagargumente in dieser Diskussion ist: „Aber ich kenne eine BIPOC (Black/Indigenous/Person of Colour), eine queere Person oder eine Frau, der das gar nichts ausmacht!“
Cool. Angenommen, das stimmt, dann ist das, wenn es um diese Person geht, natürlich in Ordnung. Aber jetzt lernst du eben eine oder mehrere Personen kennen, den es etwas ausmacht. Die sich verletzt fühlen von dem, was du sagst. Und das ist in der Situation schlicht zu akzeptieren. Marginalisierte Menschen sind nicht eine große, anonyme Masse, für die man pauschal Entscheidungen treffen kann. Und ganz grundsätzlich sollten wir uns wann immer möglich dagegen entscheiden, Menschen zu verletzen.

Bilde dich selbst weiter

Marginalisierte Menschen haben keinen eingebauten Lehrauftrag. Auf ihre Kritik mit „Erklär mir das!“ oder „Zeig‘ mir die Quelle dazu!“ zu antworten, darf keine selbstverständliche Anspruchshaltung sein. Es gibt viele Social Media Accounts, die sich dieser Aufgabe annehmen (einige davon findest du oben im Infokasten), Personen, die Bücher zu ihren Themen geschrieben haben, Podcasts und Dokumentationen auf den gängigen Streamingplattformen und im TV. Egal welche Frage du hast, die Antwort ist meistens nur eine Googlesuche entfernt.

Nur weil es erlaubt ist, ist es nicht unbedingt notwendig

Die Meinungsfreiheit ist eine wichtige Säule der Demokratie. Aber sie endet dort, wo sie andere Menschen verletzt. Dazu gibt es zahllose Straftatbestände und Gerichtsentscheidungen. Aber unser Zusammenleben stützt sich nicht nur auf Gesetze, sondern auch auf gesellschaftliche Normen des Zusammenlebens. Innerhalb derer sollte es normal sein, Menschen nicht zu diskriminieren, das eigene Verhalten zu hinterfragen und wenn nötig anzupassen. Es ist nicht so schwer, den eigenen Wortschatz von diskriminierenden Begriffen freizumachen.