Wenn meine Kunden fragen, welche Plattform ich ihnen in jedem Fall empfehle, sage ich immer: Twitter. Und fast jedes Mal ernte ich gequälte Blicke. „Twitter verstehe ich nicht.“ Oder: „Twitter ist mir zu schnell und unübersichtlich!“ Dabei ist Twitter DIE ideale Plattform für Journalisten. 
Twitter basiert hauptsächlich auf Text. Twitter ist roh, ehrlich und brandaktuell. Und auf Twitter wird über die wichtigen, kontroversen Geschichten gesprochen. Und zwar von Betroffenen. 

Während auf Instagram und Facebook geschönt wird, wo es nur geht, tut Twitter oft weh. Nicht zuletzt, weil man dort absolut anonym sein kann, wenn man möchte. Deshalb ist Twitter auch perfekt für die Protagonistensuche. Aber dazu ein anderes Mal mehr. 

Wie du als Journalist Follower auf Twitter gewinnst

Zunächst einmal wie jeder User: tweete viel und interagiere mit anderen Usern. Twitter hat gegenüber Instagram und Facebook den schlagenden Vorteil, dass ein Text-Post schnell getippt ist. Außerdem müssen deine Posts kein Meisterwerk sein – im Gegenteil. Sogenannte „Top-Tweets“ sind meistens solche, in denen ganz alltägliche Gedanken nebenher formuliert wurden. 

Aber: Twitter ist klug und Twitter ist besserwisserisch. (Ich sag´s ja: perfekt für Journalisten!) Schreibfehler im Tweet?
They´ll let you know. Unbedacht eine Minderheit diskriminiert? Ohje, bereite dich auf den Shitstorm vor. 
Und mit „bereite dich vor“ meine ich: Sei bereit zu lernen. Höre zu. Und bitte im Zweifelsfall um Entschuldigung. Twitter ist für viele seiner User ein Safe Place, wo sie offen über ihre Ängste und Probleme sprechen. Darauf überheblich, besserwisserisch oder gar diskriminierend zu reagieren, ist der sicherste Weg in die Twitter-Verbannung. Ja, du bist Profi und hast eine lange Ausbildung hinter dir. Aber das macht dich weder allwissend, noch über jeden Zweifel erhaben.

Die fünf Grundregeln für Journalisten auf Twitter sind also:

1. Tweete regelmäßig. Fünf Posts am Tag sind eine gute Richtlinie. Nutze bei Bedarf ein Planungstool, um Tweets  
     vorauszuplanen – zum Beispiel passend zu tagesaktuellen Artikeln. 

2. Interagiere. Twitter ist ein soziales Netzwerk. Verbinde dich mit Kollegen, mit Menschen aus deiner Nische, einfach mit jedem,
    dessen Tweets dich interessieren. 

3. Bleibe offen und lerne. Du wirst auf Menschen treffen, die etwas besser wissen als du. Zum Beispiel weil sie betroffen sind.  
    Höre ihnen zu und zeige Empathie.

4. Frage nach und lasse Menschen zu Wort kommen. Du wirst Inspiration und Protagonisten für Geschichten finden.  

5. Lasse alle wissen, dass du Journalist und auf Twitter präsent bist. Drucke dein Handle auf deine Visitenkarte, integriere es
    in deinen E-Mail-Footer, erzähle davon. Nenne deinen Beruf in deiner Twitter-Bio. Die Bio wird von Suchmaschinen gefunden,  
    nutze also die entsprechenden Keywords. 

Was du auf twitter posten solltest

Im Grunde gibt es nichts, was nicht geht. Wie gesagt, Twitter ist ungeschönt und darf auch mal weh tun. (Da du beruflich und wahrscheinlich unter deinem Klarnamen postest, solltest du natürlich für dich selbst und mit deinem Chef gewisse Richtlinien abstecken. Auch Twitter ist kein rechtsfreier Raum und auch auf Twitter gibt es User, die dir Böses wollen.)

Poste, was in deinen Tagesablauf passt. Du bist auf dem Weg zu einem Termin? Erzähle davon. Du schreibst über ein kontroverses Thema? Hol´dir Meinungen ein. Du wirst neue Erkenntnisse und Denkanstöße gewinnen und festigst, ganz nebenbei, auch deinen Expertenstatus. Auch hier gilt die goldene Regel: Zuhören und Empathie zeigen. 

 

Mit Listen den Überblick behalten

Nutze Twitters Listen-Funktion von Anfang an, um den Überblick über die Accounts zu behalten, denen du folgst. Sonst watest du irgendwann nur noch durch eine brodelnde Masse wild gemischter Themen, Bildern und GIFs. 
Mittels der Listenfunktion kannst du dir Tweets von Usern einer von dir definierten Gruppe anzeigen lassen. Zum Beispiel nur von Journalisten, Politikern oder CEOs großer Unternehmen. Deine Listen kannst du privat führen (es ist zum Beispiel sinnvoll, andere Journalisten auf eine private Liste zu setzen. Man muss die Konkurrenz ja nicht übervorteilen.) 

Mit Threads längere Geschichten erzählen

Aktuell beträgt das Character Limit für einen Tweet 280 Zeichen. Trotzdem kannst du längere Geschichten erzählen – mittels eines Threads. Dafür antwortest du einfach so lange auf deinen eigenen Tweet, bis die Geschichte auserzählt ist. 

Mit bestimmten Apps kannst du deinen Thread dann „unrollen“ lasse. So wird er kontinuierlich lesbar und du kannst ihn in deinem Profil oder auf Facebook verlinken. 
Mit etwas Glück wird deine Geschichte viral geteilt. Das bringt dir nicht nur viele Likes, sondern auch eine größere Reichweite und mehr Follower. 

Behalte die Twitter-Trends des Tages im Auge. Du findest sie in der Desktopversion rechts von deiner Timeline. In der Smartphone-App verstecken sie sich hinter dem Lupen-Icon unten am Bildschirm. Wenn du mit einem Trend-Hashtag interagierst, vergrößert das deine Reichweite. Und umgekehrt stößt du so auf aktuelle Themen die dir sonst vielleicht entgangen wären.  

zu guter letzt: Verhalte dich sozial

Wenn dir ein Tweet gefällt, teile ihn mit deinen Followern. Das geht ganz einfach, mit der Retweet-Funktion. Damit kannst du den geteilten Tweet auch kommentieren und deine eigenen Gedanken dazu formulieren. Darüber freut sich der ursprüngliche Poster nicht nur, sondern wird möglicherweise auch auf dich aufmerksam. Du kannst Textposts, Bilder und Videos teilen, solange der Tweetautor die Funktion nicht deaktiviert hat. 

Teile außerdem deine eigenen Artikel und anderen interessanten Content mittels Links. Auch hier kannst du deine eigenen Gedanken einbringen. Lob, Kritik, der Beginn einer Diskussion – alles geht. Aber vergiss nicht, deine Quelle zu nennen und den Autor, falls er auf Twitter ist, mit einer @-mention zu nennen. 

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